Cosima Hanebeck Fotografie

Cosima Hanebeck Fotografie

Menu

one

»Ich mag Menschen«, sagte mir Cosima Hanebeck, nachdem ich sie gefragt hatte, weshalb das Porträt in ihrem fotografischen Werk an erster Stelle stehe. Diesen lapidaren Satz empfinde ich als programmatisch, ja geradezu als widerständig: ist doch in den Medien immer öfter von »Posthumanismus« und »Transhumanismus« die Rede. Auch das »Ende des fotografischen Zeitalters« soll inzwischen gekommen sein. In der Theorie mag vieles dafür sprechen. In der Praxis aber zählt gerade das Porträt seit einigen Jahren wieder zu den wichtigsten Gattungen der Fotografie.

Weil Cosima Hanebeck Menschen mag, muss sie sich nicht an starre Konzepte klammern, sondern kann bei aller Lust am perfekten Inszenieren auf ihre Intuition vertrauen und dem Zufall Raum lassen, ob vor oder hinter der Kamera. Innerhalb dieses Spannungsfeldes zwischen Kontrolle und Spontaneität entstehen Augenblicksaufnahmen, die einerseits dokumentarisch anmuten, andererseits jedoch seltsam schwebend und zeitlos, wie Impressionen aus einer anderen Welt.

Dies gilt in besonderem Maße gerade auch für jene Arbeiten, die Cosima Hanebeck mit Hilfe unterschiedlicher Fotos am Rechner komponiert hat. Geschickt vermeide sie »eine inhaltsschwere Überladung«, schrieb Anna Gripp, Herausgeberin der Zeitschrift Photonews, über die 2007 entstandene Serie multiple choice. »Immer ist eine eigentümliche Spannung zu spüren, nie gleiten die Szenen in Klamauk ab.«

Es ist offensichtlich: Cosima Hanebeck mag Menschen und nutzt die Digitalfotografie als ein noch lange nicht obsoletes Medium, das es ihr gestattet, sich uns noch lange nicht obsoleten Menschen auf ihre sehr eigene Weise zu widmen. Derzeit gilt ihr Hauptinteresse der Familienfotografie. Wie Cosima Hanebeck uns das inzwischen gar nicht mehr so Alltägliche präsentiert und Vergangenes, Gegenwärtiges, ja sogar Zukünftiges ins Zeitlose transformiert, wird anlässlich der Tage der offenen Tür im Künstlerhaus Bremen zu sehen sein.

Hella Streicher